Die Geschichte der Schützenvereine in Deutschland

In Deutschland gibt es heute fast 15.000 Schützenvereine, es scheint also, dass Sportschießen eine sehr beliebte Freizeitbeschäftigung ist. Woher aber kommt dieser Sport, und haben sich Schützen schon immer zusammengeschlossen? Wir haben einen Blick in die Geschichte der Schützenvereine geworfen.

Schiessen-koerperbehinderungDie Vorgänger der Schützenvereine waren die Schützengilden des Mittelalters. Sie waren aber eher zum Schutz der Burgen und Städte gegründet worden. Die Karlsschützengilde gilt als die älteste Schützenvereinigung und ist wohl schon zu Zeiten Karls des Großen ins Leben gerufen worden. Als andere Ordnungsformen wie das Heer aufkamen, war zwar die Hauptaufgabe der Gilden obsolet geworden, aber sie bestanden weiter. Im Laufe der Jahre bildeten sie häufig Freiwilligenverbände, und oft traten ihnen auch Kriegsveteranen bei.

Erst im 19. Jahrhundert änderte sich ihre Funktion. Aus der Polizeitruppe der Anfänge waren Sportverein geworden. Man lernte gutes Schießen und Waffenkunde, aber pflegte auch das gesellige Beisammensein. Mit dem Aufkommen auch anderer Vereine, vor allem der Turnvereine, wurden auch die Schützen Teil der demokratischen Bewegung. Man scheiterte an der Revolution von oben durch Bismarck, aber die Vereine selbst blieben bestehen. Noch heute verweisen viele Schützenvereine auf ihre Gründungsjahre im 19. Jahrhundert. Nachdem ersten Weltkrieg kamen radikale Wehrverbände auf, denen sich die Schützenvereine zu widersetzen versuchten. In der Nazizeit passten sich die meisten an und stellten zum Teil auch ihre Infrastruktur Organisationen wie Hitlerjugend und SA zur Verfügung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Schützenvereine erst untersagt, in der Bundesrepublik dann aber später wieder unter Auflagen erlaubt. In der DDR blieben sie verboten, erst nach der Wende bildeten sich wieder neue Vereine. Wegen ihrer einst nationalistischen Ausrichtung verloren die Vereine an Popularität, konnten diese aber wieder zurückgewinnen, als sie die politische Arbeit ausklammerten und zu reinen Sportvereinen wurden. Heute schickt der Deutsche Sportschützenbund seine Mitglieder und Athleten zu Olympischen Spielen, und sie kommen meist mit einigen Medaillen nach Hause. Der Schützenverein ist mittlerweile “immaterielles Kulturerbe Deutschlands” im Sinne des UNESCO-Abkommens.